Brücken bauen über Zeit und Raum. Neue Ausgrabungen in Wustermark, Landkreis Havelland
Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg Heft 40
Joachim Stark, Franz Schopper und Joachim Wacker (Hrsg.)
Brücken bauen über Zeit und Raum
Neue Ausgrabungen in Wustermark, Landkreis Havelland
381 Seiten, Paperback
4 Klapptafeln
25,50 €
In den Warenkorb
Artikel-Nr.: AB 40
| Autor: | Joachim Stark, Franz Schopper und Joachim Wacker (Hrsg.) |
| ISBN: | 978-3-947219-09-4 |
| Länge: | 295cm |
| Breite: | 210cm |
| Höhe: | 25cm |
| Gewicht: | 1700g |
| Anzahl |
Produktbeschreibung
Diese Publikation stellt die Ausgrabungen des BLDAM an der Wublitzrinne vor, einem glazialen Entwässerungskanal zum Feuchtgebiet der Havelland-Luch bei Wustermark im Havelland, die im Vorfeld einer kommerziellen Erschließung in den Jahren 2019 bis 2024 auf einer Fläche von mehr als 20 Hektar stattfanden. Die Fundstellen befinden sich im Bereich eines Verkehrsknotenpunkts am südlichen Rand der Havelland-Luch über dem Flachland der Wublitzrinne. Aufbauend auf der langjährigen, intensiven Forschungsgeschichte (Beiträge von May und Krause) bestand der erste Schritt darin, neue geologische Untersuchungen zur Entstehung der Wublitzrinne (Hoelzmann et al.) sowie zur bodenkundlichen Situation im Zusammenhang mit der Fundverteilung (Krause) durchzuführen.
Die erste Nutzung des Geländes ist durch mesolithische Knochen- und Geweihfunde belegt (Kotula), die älteste Besiedlung durch Funde aus der frühen Jungsteinzeit bis zur frühen Bronzezeit (Lehmphul/Stark). Ein Schwerpunkt liegt auf der archäologisch-wissenschaftlichen Auswertung der Grabfunde, darunter Mehrfachbestattungen der Baalberg-Kultur und der frühen Bronzezeit (Lehmphul/Jungklaus). Die Siedlungsbereiche und Grabgruppen auf beiden Seiten der Wublitzrinne werden als frühbronzezeitliches Siedlungsgebiet beschrieben, das durch eine Holzbrücke über das Flachland verbunden ist (Höppner). Der Beginn dieser Besiedlung in der frühen Bronzezeit wird durch eine Palisade belegt. Die kürzlich entdeckte Palisade scheint – zusammen mit einer weiteren, die vor Jahren auf der gegenüberliegenden, östlichen Seite der Wublitzrinne dokumentiert wurde – eine Grenzmarkierung zu sein (Stark). Der Beitrag konzentriert sich auf die auffallend strukturierte Verteilung der Funde in einem Wirtschaftsbereich auf höher gelegenem Gelände, einem Streifen von Bauplätzen, der sich entlang des Hangs zur Wublitzrinne erstreckt, sowie auf das im Laufe der Zeit intensiv genutzte Flachland (Stark). Pfostenbauten aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit bilden einen Schwerpunkt, der auf der Grundlage von Multielementanalysen zur Rekonstruktion von Gebäudestrukturen und Nutzungsbereichen eines Pfostenhauses führt (Nykamp et al. und Stark). Das Gebiet war bis in die frühe Völkerwanderungszeit bewohnt. Nach einer Unterbrechung während der Völkerwanderungszeit entwickelte sich im 9.Jahrhundert eine slawische Siedlung, die sich wiederum am Wegenetz orientierte. Die Beschreibung dieser Siedlungsphase (Stark), ergänzt durch die Analyse von Münzfunden (Franke), wird durch die Darstellung der dazugehörigen Grabstätte (Bartels/Goldmann und Jungklaus) abgerundet.
Weitere Beiträge befassen sich mit GIS-gestützter Ausgrabungs- und Dokumentationstechnik (Sbrzesny et al.) sowie mit den methodischen Problemen der umfassenden Auswertung dendrochronologischer Daten im Zusammenhang mit der Holzbrücke aus der frühen Bronzezeit (Müller). Mit dem Ende der spätslawischen Besiedlung zu Beginn des 13. Jahrhunderts setzte sich die landwirtschaftliche Nutzung des Gebiets bis in die jüngste Vergangenheit fort. Die Verkehrsverbindung über die Wublitzrinne, die spätestens seit dem Ende der Jungsteinzeit die Besiedlung geprägt hat, hat mit dem Bau einer neuen Brücke über den Havelkanal bis heute ihre Bedeutung behalten.